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Interviewstream » Blog Archive » Jonathan Meese ZKM

Jonathan Meese

im Gespräch mit Heike Borowski

HB: Du sagst, dass nicht du es bist, der deine Bilder malt oder Skulpturen formt, sondern dass es die Kunst selbst ist, die sich durch dich eine Ausdrucksmöglichkeit sucht. Warum hat die Kunst gerade dich gewählt?

JM: Die Kunst ist ihr eigenes Gesetz. Ob die Kunst mich gewählt hat, wird sich zeigen. Kunst benötigt keine menschlichen Voraussetzungen. Die Kunst ist ihre eigene menschenleere Gottheit. Ich möge Hagen von Tronje sein. Kunst ist ihr ewiges Rätsel.

HB: Hast du manchmal Angst davor, dass die Kunst dich verlassen könnte?

JM: Wenn ich mich von der Kunst verlassen fühlen würde, hätte ich ausgespielt. Die Kunst kann mich nicht verlassen, weil wir einander niemals besessen haben. Die Kunst streift den Menschen ohne Wirkung auf seine Befindlichkeit. Kunst hinterlässt keine Spuren im Menschen, sie ist kein Produkt persönlicher Meinungen. Kunst ist ihr eigener Geschmack und unterwirft sich keiner menschlichen Eitelkeit. Der Mensch hat sich auf Nichts etwas einzubilden.

HB: Malerei, Zeichnung, Skulptur, Installation, Performance - dein Spektrum ist sehr vielseitig. Welche Einstellung hast du gegenüber Kunst unter Einbezug digitaler Technologien?

JM: Ich habe kein Problem, mit allem zu arbeiten, was sich mir anbietet. Ich bin total neutral allem gegenüber und möchte, dass sich die Dinge um mich herum um sich selbst kümmern und sich mir so darbieten, wie SIE wollen. Meine einzige Einschränkung läge in meiner körperlichen Kraft.

HB: Du hast eine ausgeprägte Affinität zum Science Fiction Film. In deinem Werk gibt es allerdings keine Referenz an den Film, der stellvertretend für dieses Genre steht - »Matrix«. Er gilt als DIE filmische Auseinandersetzung mit einer digitalen Welt..

JM: Neo, Mr. Smith, Zed aus Zardoz, Alex de Large, Caligula, Saint Just, HAL oder Echnaton sind Phänomene, die sich selbst zum Gesetz erhoben haben. Deshalb sind diese Wesen Fixsterne eines nicht nachvollziehbaren Systems. Der schwarze, sich selbst spiegelnde Monolyth aus 2001 [Odysee im Weltraum] ist wie der Stein der Weisen oder das Augenweiß des Alex de Large, der Erzcomputer.

HB: Deine Installationen haben durch die Arbeit mit Zeitdokumenten unterschiedlicher Art einen stark archivhaften Charakter, sind aber teilweise ephemer angelegt. Faktor Zeit - Freund oder Feind?

JM: Kunst hat weder Zukunft noch Vergangenheit. Sie ist immer der Zeitpunkt ihrer selbst, ein Punkt (Fixstern), auf den sie immer zurückfällt. Menschliche Zeiträume oder andere Zeitkonstrukte spielen keine Rolle, so sind z.Bsp. die Pyramiden von Gizeh als Kunst zeitgleich mit Dr. Gachet von van Gogh. Der Kunst ist es gleich, sie kennt nur ihre eigene Zeit, es ist die ewige Schönheit Saint Justs.

HB: Was passiert in »A Clockwork Orange II«?

JM: In Clockwork Orange II wird die Geburt von Clockwork Orange I erschaffen. Alex de Large’s Vorgeburt, a Clockwork Orange, ist Wissen durch Osmose.

*_Geboren 1970 in Tokio als Sohn deutsch-walisischer Eltern, hat sich Jonathan Meese seit 1998 mit raumgreifenden Installationen sowie Aktionen und Performances einem internationalen Kunstpublikum vorstellen können. Das wesentliche Konzept seiner Arbeit besteht in der Inszenierung von Alltagskulissen, indem er Gegenstände des täglichen Lebens installativ mit dem Ausstellungsort in Beziehung setzt und dabei besonders mit der Vielstimmigkeit der unterschiedlichen Medien experimentiert. Dabei setzt er das klassische Medium der Malerei ebenso ein wie billige und vergängliche Materialien. Die Protagonisten von Meeses Werk sind Personen aus Mythos, Kunst und Politik und vor allem die ganz großen Helden der Filmgeschichte. Caligula, Spartacus, Zed aus Zardoz - ihnen widmet Jonathan Meese abenteuerliche Weihestätten, wobei er die Grenzen verschwimmen und einen eigenen, spezifischen Kosmos entstehen läßt.
Meese studierte an der Hamburger Kunstakademie in der Klasse von Professor Franz Erhard Walter und war bereits in Ausstellungen u.a. in der Galerie Contemporary Fine Arts, Berlin [D], im Contemporary Art Center P.S.1, New York [USA], im Kunstmuseum Wolfsburg [D] sowie im ZKM | Museum für Neue Kunst, Karlsruhe [D] vertreten.

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